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Vater-Sohn-Konflikte im 21. Jahrhundert

In Jugend on Juni 21, 2009 at 1:37 pm

Nachfolgend zwei aufgschnappte Gespräche zwischen Vater und Sohn. An den Haaren herbeigezogene, messerscharfe Analysen inklusive!

Szene 1:

Vater: „Beeil dich, die Mama muss arbeiten“

Sohn (ca. 7 Jahre alt): „Na und“

Vater: „Dann verliert sie ihre Arbeit, wenn sie zu spät kommt“

Junge: „Mir doch egal“*

*Die richtige Antwort hätte eigentlich gelautet: „Wegen einmal zu spät kommen wird man doch nicht gefeuert!“

Deutung: Der Sohn weiß über die Verhältnisse in Deutschland bescheid, ihm ist  klar, dass der Vater mehr verdient als die Mutter, obwohl es bei den beiden keine Leistungsunterschiede gibt. Daraus folgert er, dass es ihm auch noch relativ gut gehen würde, wenn die Mutter keinen Verdienst mehr hätte. Später wird er wohl mal in die Politik gehen und versuche, dieses Unrecht zu ändern.

Oder der Sohn mochte die Mutter mehr und wollte, dass sie ohne Job  mehr Zeit für ihn haben würde.

Szene 2:

Der Sohn klettert einen Absperrzaun hoch. [Hat wohl im Fernsehen zu viel Tempelhof-Besetzungsversuch gesehen.]

Vater: „Hör jetzt sofort damit auf und setzt dich neben mich und sei still. Sonst machen wir sowas [Ausflug] nicht mehr.“

Sohn, während er den Vater maulend tritt und schlägt: „Scheiß Papa“

Deutung: Das mit dem Grundgesetz wird ja eh nicht mehr so eng gesehen, aber in Artikel 5 (1)  steht::

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten [..]

Darf dem Sohn denn der Mund verboten werden? Aber im gleichen Absatz steht ja auch das mit der Zensur und Artikel 5 (1) ist ja eh Tod. Vielleicht hätte der Sohn aber auch ein Bild malen sollen, um dem Vater seine Meinung zu geigen (Musikalische Meinungsmache wäre auch eine Idee gewesen).

Vielleicht bezog sich der Vater aber auch auf Artikel 5 (2):

Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Jungend würde ich mit dem Sohn (ca. 4 Jahre) jetzt nicht in Verbindung bringen, aber der Vater wollte den Sohn ja sicher nur schützen. Vor was auch immer.

Fazit:
Alles läuft darauf hinaus: Diese „Jugend“! Früher war alles besser! Oder etwa nicht? Zensierte „Diskussion“ erwünscht!

Überwachung via Standlicht

In Wahnsinn on Februar 21, 2009 at 1:12 pm

Dunkelheit. Vor einem Haus ein paar Fahrräder, in der geordneten Reihe des Fahrradabstellplatzes.

Wäre das ein Film gewesen, würde der Protagonist erst vorbeilaufen, plötzlich verharren, einen Schritt rückwarts machen und sich verwundert die müden Augen reiben.

Ein rotes Rücklicht leuchtet verloren in die Schwärze der Nacht.  Der Nachleuchteffekt eines Standlichtes.  Das Standlicht  seiner Frau.

Die Alarmglocken würden augenblicklich anfangen zu läuten. Hatten sie nicht ausgemacht, dass seine Frau heute auf die Kinder aufpassen würde, damit er sich mal wieder mit einem alten Freund, der gerade in der Stadt war, treffen konnte? War seine Frau, nachdem die Kinder schliefen, noch ausgegangen? Zu ihrem Liebhaber? Oder gab es eine einfache und stichhaltige Erklärung dafür?